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 19. September 1783

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Nayeli

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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Fr Jun 20, 2014 2:18 am

Katy, Nayeli, Nooka, die anderen Kinder

Beinahe wäre Nooka beleidigt gewesen, als Katy lachte, doch es klang nicht böswillig und so zog er nur eine kleine Schnute. Es hatte sich ja auch wirklich komisch angehört, was er da gesagt hatte. Sein Gesicht leuchtete jedoch auf, als ihm Katy das Wort übersetzte. Sie hatte verstanden, was er ihr hatte sagen wollen. Hochkonzentriert hörte er auf das, was sie sagte.

"Rei... reeei..." Er kniff die Augen zusammen, um sich besser konzentrieren zu können. "Reeden...", wiederholte er. Das war doch gar nicht mal so schlecht gewesen. Stolz auf diesen Erfolg lachte er Katy an und konzentrierte sich dann auf das nächste Wort. Es erstaunte ihn, dass Katy das Wort in seiner Sprache kannte, doch er nahm es hin, wie Kinder vieles einfach hinnahmen. Es klang zwar etwas seltsam, wie sie es aussprach, doch er verstand sie durchaus.

Voller Eifer machte er sich daran, diese komischen Laute über die Zunge zu kriegen. "Dää... däe... Deecke..." Klang immer noch seltsam, was den Fünfjährigen ein wenig frustrierte, doch er würde ganz sicher nicht aufgeben. "Reeden, Deecke...", wiederholte er, um sich die Worte einzuprägen. Ha! Er konnte Katys Sprache!

Auf Katys Gestik hin legte er den Kopf schief und versuchte es richtig einzuordnen. Er sollte ihr helfen? Dann ging ihm ein Licht auf. Sie wollte seine Sprache lernen! Eifrig nickte er. "Ja", rief er. "Das wird toll!"

Nayeli sah auf diesen Ausruf hin wieder zu den ihren beiden Kindern. Es war seltsam, wie schnell sie sich an den Gedanken gewöhnt hatte, dass Katy nun zu ihrer Familie gehörte. Und bald vielleicht auch schon ein drittes Kind. Sie lächelte glücklich bei diesem Gedanken. Sie hätte gern ein weiteres Kind.

Nooka war beinahe aufgesprungen, so sehr gefiel ihm die Idee. Nun setzte er sich wieder. "Ja", antwortete er noch einmal, nickte dazu, um die Bedeutung des Wortes zu zeigen.
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Katy Whiterose

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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Fr Jun 20, 2014 4:49 am

Nayeli, Nooka, andere Kinder, Katy

Katy musste zugeben, dass Nooka sie ein klein wenig beeindruckte. Bereits beim dritten Anlauf sprach er das englische Reden fast richtig aus. Nur sprach er es etwas lang. Sie vermutete, dass es an seiner gewohnten Sprache lag, wahrscheinlich sprach sie dafür Mohawk viel zu schnell. Etwas, dass wohl immer bleiben würde. Soviel sie wusste, sprach sie sogar Französisch mit leichtem Akzent, obwohl sie als die zweite Sprache bezeichnen konnte, mit der sie aufgewachsen war. Die Engländerin nickte eifrig, als Nooka beide Worte fast richtig über die Zunge brachte. Es musste in seinen Ohren komisch klingen, aber so ging es ihr ja auch. "Toll", freute sie sich, auch wenn ihr keine richtige Symbolik dafür einfiel. Wie wollte man denn solch ein Wort darstellen? Nach einigem Überlegen ließ sie es einfach bleiben.

Nooka's nächste Ausruf deutete sie als eine Zustimmung, dass er ihr auch helfen würde, auch wenn sie nicht ein Wort verstand. Es würde ein langer, steiniger Weg werden, bis sie einander wirklich verstehen konnten. Eine Überlegung, die sie mit einem leise Seufzen kommentierte. Nachdenklich rückte sie sich im Gras zurecht, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und zog die Beine in aufrechte Position, als wolle sie Sit-ups machen. "Himmel", sagte sie nach kurzem Überlegen und deutete nach oben.

Aus dem Augenwinkel bemerkte Katy, dass Nayeli aufsah. Einerseits gefiel ihr der Gedanke, von ihr aufgenommen worden zu sein, andererseits fiel es ihr schwer, sich damit anzufreunden. Zu sehr hing sie noch immer der Vergangenheit mit Sue nach. Sie drehte den Kopf, damit sie Nooka neben sich ansehen konnte. Er war vielleicht zwei Jahre jünger als Sue es nun wäre, aber er wirkte nicht so. Er war vernünftiger, als ihre Schwester es je hätte sein können. Niemals hätte Sue freiwillig eine Sprache gelernt.

Die Rothaarige zuckte erschrocken zusammen, als der Junge beinahe aufsprang, sich dann aber wieder beruhigte. Nun war es an ihr, ihm nachzusprechen und dabei mehr als einmal über die fremden Silben zu stolpern. Nach drei Anläufen und einem mittelschweren lachkrampf bekam sie das simple Wort dann doch noch über die Lippen. "Ja", wiederholte sie auf englisch.
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Nayeli

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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Fr Jun 20, 2014 12:12 pm

Katy, Nayeli, Nooka, die anderen Kinder

Zufrieden mit sich und der Welt beobachtete Nayeli die Kinder. Die zwei Mädchen und Ujarak tobten noch immer im Wasser, bespritzten und tauchten sich gegenseitig spielerisch unter, Katy und Nooka saßen ein Stück entfernt am Ufer und schienen sich gut zu verstehen. Ein wenig beneidete Nayeli die Kinder. Dass sie zwei verschiedene Sprachen sprachen, schien sie nicht zu stören.

Eine Bewegung am Waldrand ließ Nayeli aufmerksam werden. Etwas Graubraunes strich dort durchs Unterholz. Sofort war sie auf den Beinen und ging langsam zu Katy und Nooka hinüber, die genau zwischen ihr und dem Tier saßen. Es bewegte sich wieder und trat ein Stück aus dem Unterholz heraus. Ein Wolf! Und er hatte Nooka und Katy im Blick.

"Nooka", rief Nayeli ihren Sohn leise an. "Seid still und bewegt euch nicht." Sie beschleunigte ihre Schritte und umrundete die Kinder, ohne sie anzusehen. Ihre ganze Aufmerksamkeit war auf den Wolf gerichtet, der die Zähne bleckte und knurrte. Er hatte sie bemerkt und stufte sie als Konkurrent auf die Beute ein. Auf dem Fell konnte Nayeli angetrocknete Blutspuren ausmachen. Das Tier hinkte. Das war zweifelsohne ein rudelloser Wolf. Offensichtlich hatte er den Kampf mit dem Leitwolf verloren und war nun auf leichte Beute angewiesen. Nun, ihre Kinder würde sie ihm nicht so einfach überlassen! Nayeli zog ihr Messer.

Nooka hatte erschrocken zu seiner Mutter gesehen, als diese plötzlich auf sie zu kam, doch dann folgte er ihrem Blick und sah den Wolf. Sofort presste er sich die Hand auf den Mund. Nur keinen Laut. So lange sie leise waren, würden sie das Tier nicht auf sich aufmerksam machen. Mit großen Augen sah Nooka zu seiner Mutter. Solange sie da war, würde ihnen nichts passieren, da war er sich sicher.
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Katy Whiterose

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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Fr Jun 20, 2014 12:33 pm

Nayeli, Nooka, andere Kinder, Katy

Katy saß mit einem mal kerzengerade im Gras und sah schockiert vom Wolf, zu Nayeli und wieder zurück. Ihre Augen waren geweitet vor Schreck und es kostete sie einiges an Konzentration, ihren Atem ruhig zu halten. Trotzdem kam kein Laut über ihre Lippen, im Gegensatz zu Nooka hielt sie sich auch nicht den Mund zu sondern saß einfach da. Noch nie hatte sie einen Wolf aus dieser Nähe gesehen, nie in ihrem ganzen Leben in der Gosse. Dabei hatte sie schon einmal ein Rudel aus der Ferne gehört und sogar einen kurzen Blick erhascht, doch nun. Nun konnte sie jedes kleine Detail des Tieres ausmachen und es wirkte nicht gerade, als wolle es von seiner leichten Beute ablassen. Ihr war bewusst, dass es in dieser Situation klüger wäre, hier sitzen zu bleiben, aber welches Kind von neun Jahren würde das schon machen? Der beste Geburtstag seid langem, dachte sie ironisch.

Sie biss sich fest auf die Unterlippe, bis sie Blut schmeckte, dann erst war sie in der Lage ihren bisher wie gelähmten Körper zu bewegen. Vorsichtig drehte sie den Kopf und sah sich um. Konnten Wölfe eigentlich klettern? Sie hoffte nicht. Die Rothaarige tippte Nooka an, legte einen Finger an die Lippen und deutete dann in Richtung eines Baumes, der scheinbar ganz gut zu erklettern war. Die Decke, die sie bis eben noch um die Schulter gelegt hatte, ließ sie am Boden liegen, während sie sich lautlos erhob - in Gedanken auf der Pirsch um ein geeignetes Opfer für ihren Diebstahl zu finden - und in Richtung des Baumes rannte. Natürlich war ihr bewusst, dass sie nur den Jagdinstinkt des Wolfes weckte, Menschen waren da nicht anders. Doch die Angst schaltete jedes weitere sinnvolle Denken aus. Hoffentlich folgte Nooka ihr und hoffentlich war er leise und schnell, andererseits war er hier aufgewachsen, da würde er sich ja wohl lautlos bewegen können.

Wie sie so vor dem Baum stand wirkte er doch viel höher, als sie geglaubt hatte. In diesem Moment wünschte sie sich, sie wäre eine Kämpferin, dann könnte sie jetzt neben Nayeli stehen, so konnte sie nur versuchen sich und Nooka zu verstecken. Irgendwie mochte sie ihren neuen Ziehbruder ja, mit seiner fröhlichen, fast übertriebenen Art. Den Schmerz in der rechten hand ignorierend zog sich die kleine Engländerin auf den untersten Ast, den sie erreichen konnte und hangelte sich weiter nach oben. Sobald sie sich zwei Meter über dem Boden befand wartete sie, ob Nooka ihr folgen konnte oder ob sie ihm helfen musste. Es war ungewohnt, so schnell zu klettern und ihr Atem ging ohnehin schon unruhig vor Aufregung. "Komm her", rief sie dem Indianerjungen leise zu. Stumm betete sie, dass er hier herauf kam, bevor der Wolf ihre Flucht durchschaute und eventuell von Nayeli abließ. Hätte sie doch ihr Messer dabei, aber das hatte sie bereits verloren, bevor Rheean sie im Grenzland gefunden hatte.
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Fr Jun 20, 2014 1:06 pm

Katy, Nayeli, Nooka, die anderen Kinder

"Katy, nein!", quietschte Nooka und wollte sie aufhalten, doch sie war zu schnell. Hektisch rappelte er sich auf und rannte ihr hinterher. Er wusste, dass das falsch war, doch er wollte seine neue Freundin nicht gleich wieder verlieren.

Augenblicklich reagierte das Tier. Etwas Kleines, das davon lief weckte seinen Jagdinstinkt. Der Wolf katapultierte sich aus dem Dickicht und hetzte hinter Katy her.

Nayeli reagierte. Da sie mit dem Rücken zu den Kindern stand hatte sie nur Nookas Schrei gehört, doch dies und die prompte Reaktion des Wolfes offenbarten ihr, dass Katy fortgerannt war. Zum Glück musste der Wolf an ihr vorbei, um an die Kinder zu gelangen. Ohne zu zögern warf sich ihm Nayeli entgegen. Nichts und niemand würde ihren Kindern ein Leid zufügen, wenn sie es verhindern konnte.

Der Wolf prallte mit seinen gut 80 Kilo auf sie und warf sie um. Der Aufprall presste ihr die Luft aus den Lungen. Seine Krallen gruben sich in ihr Kleid und hinterließen blutige Streifen auf ihren Schenkeln. Nayeli ignorierte das, das Leben der Kinder hing davon ab und nun auch ihr eigenes, denn der Wolf hatte sie als seinen neuen Gegner erkannt und schnappte zu.

Zu seinem Pech hatte Nayeli jedoch schon früh gelernt mit einem Messer umzugehen. Mit dem linken Arm an dessen Kehle hielt sie den Wolf so weit auf Abstand, dass seine Zähne sie nicht erreichen konnte. Das Messer fuhr dem Wolf in die Seite. Das Tier jaulte auf und wehrte sich um so vehementer. Nayeli stieß so oft zu, bis sich der Wolf auf ihr nicht mehr rührte.

Außer Atem wälzte Nayeli das tote Tier von sich und rappelte sich auf. Soweit sie beurteilen konnte, war sie nicht ernsthaft verletzt. Ein paar Kratzer vielleicht. Das Blut schien hauptsächlich dem Wolf zu gehören. Suchend sah sich Nayeli um und sah Nooka an einem Baum stehen. Nur einen Moment später hatte sie auch Katy entdeckt, die völlig verschreckt auf den unteren Ästen saß.

Die drei Kinder im Wasser hatten den Kampf atemlos beobachtet und stürmten jetzt aus dem Wasser und auf Nayeli zu.
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Fr Jun 20, 2014 1:37 pm

Nayeli, Nooka, andere Kinder, Katy

Katy kauerte verschreckt auf dem Baum, jegliche Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen. Allmählich verlor sie das Gefühl in den Fingern, so fest klammerte sie sich an den Ast. Letzt endlich verlor sie dann den Halt und fiel geradewegs vom Baum ins Gras, das aus dieser Höhe allerdings mehr dem Aufprall auf festen Lehm glich. Feigling, Feigling, Feigling, schrie sie sich gedanklich an. Sie schämte sich in Grund und Boden, dass sie weggerannt war, dass sie so ängstlich war. Sie konnte den metallischen Geruch des Blutes bis hierher riechen, hätte aber nicht sagen können, ob es das ausschließlich des Wolfes war. Denn bis eben hatte sie die Augen fest geschlossen gehabt, um das Tier nicht sehen zu müssen. Katy wurde schlecht bei diesem Geruch und gemeinsam mit dem Scham stiegen ihr die Tränen in die Augen.

Aus dem Augenwinkel konnte sie die anderen drei im Wasser entdecken, dann verschleierte ihr die Tränen vollends die Sicht. Sie zog die Beine an, während ihr die warmen Tränen über die Wangen liefen. Sie schmeckte das salzige Wasser. Ein leises Schluchzen entglitt der Braunhaarigen. Wäre sie doch in Boston geblieben. Wäre sie doch nicht erwischt worden, dann hätte man sie nicht verfolgt, sie hätte nicht ins Grenzland flüchten müssen. Rheean hätte sie nicht gefunden, sie nicht her gebracht udn überhaupt wäre nichts davon passiert. Und Nayeli wäre nicht verletzt worden. Meine Schuld, nur meine Schuld, dachte Katy, da ihr vor weinen kein Wort über die Lippen kam. Ich habe hier nichts verloren, gar nichts. Ich hätte mich von dem Wolf fressen lassen sollen.

Weinend schlag Katy die Arme um die angezogenen Beine. Ich sollte einfach wieder gehen. Ganz weit weg. Und alles wird wieder wie es war. Alles wird wieder richtig. Vielleicht sollte sie das wirklich tun? Die Engländerin spielte tatsächlich mit dem Gedanken, zurück nach Boston würde sie schon finden oder in irgendeine Siedlung oder auch einfach nur in den Wald. Hatte ihre Diebesgilde dort nicht auch einmal einen Unterschlupf gehabt? Vielleicht konnt sie ihn wiederfinden? Dort wäre sie immerhin sicher. Eine Weile. Bis die Rotröcke sie fanden und dann wäre sowieso alles vorbei.
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Fr Jun 20, 2014 2:09 pm

Katy, Nayeli, Nooka, die anderen Kinder

Nooka schrak zusammen, als Katy einfach vom Baum purzelte. Als sie jedoch anfing zu weinen, bekam er Mitleid. Er kniete sich neben sie und legte ihr seine Kleine Hand auf die Schulter. "Katy, nicht weinen." Er sah zu seiner Mutter, die von den anderen Kindern belagert war. So wie es aussah, war sie nicht verletzt. "Es ist alles in Ordnung, kuck." Er zeigte hinter sich. Was sollte er nur machen?

Nayeli steckte das Messer weg und beruhigte die Kinder. "Es ist alles gut. Der Wolf ist tot. Er wird euch nichts mehr tun." Sie sah, wie Katy vom Baum fiel und für einen Moment blieb ihr das Herz stehen. 'Hoffentlich ist ihr nichts passiert', dachte sie wieder und wieder, während sie auf das Mädchen zu rannte. Noch aus dem Lauf heraus kniete sie sich neben das Mädchen und schob Nooka ein Stück zur Seite. Auf seiner bloßen Schulter blieb ein blutiger Abdruck ihrer Hand zurück. Als sie dies bemerkte, vermied sie es, Katy anzufassen.

"Katy", rief Nayeli das weinende Mädchen sacht an. Sie hatte sich verletzt! Aber wo? Nayeli konnte keine Wunde entdecken und auch kein verdrehtes Gliedmaß, vielleicht ein verstauchter Fuß? "Katy", begann sie erneut. Wie konnte sie das Mädchen fragen, wo es ihr weh tat? "Au?", fragte sie hilflos, das verstand man doch in jeder Sprache oder? Warum konnte sie die Sprache der Weißen nur nicht?
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Fr Jun 20, 2014 2:31 pm

Nayeli, Nooka, andere Kinder, Katy

Katy hielt sich instinktiv die Ohren zu, wie es nur kleine Kinder konnten. Sie wollte nicht hören, niemanden sehen. Am liebsten wollte sie nicht einmal denken. Sie wollte sich nur noch in irgendeiner dunklen Ecke verkriechen und weinen, weinen bis keine Tränen mehr übrig waren. Es tat ihr Leid, dass Nayeli jetzt so verzweifelt klang und dass nur sie daran Schuld war. Wäre sie nicht ohnehin schon am Boden zerstört würde ihr spätestens jetzt das Herz brechen. Die Finger des Mädchens verkrampften sich, so fesst hielt sie sich die Ohren zu. Trotzdem drangen die Worte zu ihr durch, sie konnte sie einfach nicht abschütteln. Es war unmöglich. "Nein", nuschelte sie, da sie die Arme vor dem Gesicht hatte. Sie hatte das Wort vorhin aufgeschnappt und irgendwie war es - dank seiner vergleichsweise einfachen Aussprache - hängen geblieben.

Jeglicher körperlicher Schmerz war in den Hintergrund gerückt, zusehr hatte sie mit ihrem Scham und ihren Selbstvorwürfen zu kämpfe. "Es ist nur meine Schuld", weinte sie. Wäre sie doch einfach geblieben wo sie war oder besser noch, hätte sie nayeli geholfen. Dann wäre sie verletzt worden und eine Narbe mehr oder weniger machte auf ihrer Haut nun auch nichts mehr aus. Da fanden sich ohnehin genug Messer-, Krallen- und Feuerspuren. Wen sollte es da schon groß interessieren. "Ich gehöre hier nicht her, eine Weiße."
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Fr Jun 20, 2014 3:23 pm

Katy, Nayeli, Nooka, die anderen Kinder

Erleichtert hörte Nayeli das 'nein'. Katy war nichts passiert. Trotzdem schien das Mädchen verzweifelt zu sein. Nayeli betrachete ihre blutbeschmierten Hände und entschied sich erneut gegen eine Berührung. "Nooka, bleib bei Katy", trug sie ihrem Sohn auf. "Ich bin gleich wieder da." Mit diesen Worten erhob sie sich und lief zu dem See. "Zieht euch wieder an", rief sie den anderen dreien zu, die neugierig näher gekommen waren. "Wir kehren ins Dorf zurück."

Am Ufer wusch sich Nayeli sorgfältig das Blut von Händen und Armen. Was ihr Kleid anging, konnte sie nur wenig tun. Es war zu kalt, um es jetzt zu waschen und nass zu tragen und die Zeit, es in der Sonne trocknen zu lassen, hatte sie ebensowenig. Katy musste zurück ins Dorf. Als sie sich vom Blut befreit hatte, lief sie zu Katy zurück. Nooka war ihr nicht von der Seite gewichen und hatte ihr in kindlicher Hilflosigkeit immer wieder über die Haare gestrichen.

"Katy", sprach Nayeli sie an. "Komm, wir gehen ins Dorf zurück."
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Fr Jun 20, 2014 3:32 pm

Nayeli, Nooka, andere Kinder, Katy

Katy war einfach still liegen geblieben, hatte Nooka über ihr Haar streichen lassen und die Hände erst langsam von den Ohren genommen, als Nayeli wieder da war. Still, den Blick glasig geradeaus gerichtet tapste sie dorthin, wo noch ihr Oberteil lag, sie nahm es in die Hand und zog es im gehen mehr oder weniger ordentlich an. Im Endeffekt war es allerdings falschherum und rutschte ihr von der einen Schulter. Es war ihr egal. Wortlos folgte sie Nayeli und den anderen ins Dorf. Kaum war sie dort angelangt blieb sie abrupt stehen, sie mochte nicht weiter gehen. Sie mochte nichts hören müssen und nichts erklären. Sie wollte nur noch weg.

Ein weiteres Schluchzen unterdrückend strich sie sich mit dem Handrücken über die Augen. "Happy Birthday Kate", murmelte sie betrübt. Der letzte auch nur halb so schlimme Geburtstag war ihr siebter gewesen. Der Tag, an dem sie ihre Familie verlor. Das Mädchen schüttelteenergisch mit dem Kopf, sie hatte genug Gedanken mit denen sie sich herumschlagen musste. Schuldbewusst sah sie zur Nayeli und schlug gleich darauf den Blick nieder, sie konnte ihr einfach nicht in die Augen sehen, es war unmöglich. Du schwaches, kleines Kind. Trag deine Schuld mit Stolz. Egal was geschieht, richte dich auf! Beim Gedanken an Jeremy biss sie wütend die Zähne zusammen. Dieser Gossenjunge hatte doch keine Ahnung vom Leben gehabt, seine Zeit hatte er immer stehlend in Boston verbracht, aber sie, sie hatte das Leben gesehen.
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 2:39 am

Katy, Nayeli, Nooka, Dorfbewohner

Besorgt hatte Nayeli Katy nachgesehen und war ihr schließlich gefolgt. Von der überschwänglichen Freude von vorhin war nichts mehr übrig. Was hatte dieses arme Kind nur mitgemacht?

Im Dorf wurden sie aufgeregt empfangen. Das Blut auf Nayelis Kleid sorgte für Fragen nach ihrem Wohlergehen und dem der Kinder. Nayeli erklärte mit kurzen Worten was passiert war und meinte dann, sie wolle sich um ihre Tochter kümmern, die offenbar eine Art Schock erlitten hatte. Mit besorgten und befremdeten Blicken auf Katy, zogen sich die meisten zurück. Ein paar der jungen Männer zogen los, um den Kadaver des Wolfes zu holen und um sicherzugehen, dass sich nicht doch ein halb verhungertes Rudel in Dorfnähe herumtrieb.

Nooka hatte, wie selbstverständlich, seine kleine Hand in die von Katy gelegt und hielt sie sanft fest. Er spürte instinktiv, dass sie Zuwendung brauchte. Auch im Dorf ließ er sie nicht los, sondern blieb bei ihr.

"Katy?", Nayeli trat zu ihrer Tochter und kniete sich vor sie hin. "Hier, das hast du verloren." Sie reichte ihr den Armreif, den sie an der Stelle gefunden hatte, wo Katy ihre Bluse gelassen hatte.
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 3:43 am

Nayeli, Nooka, Katy erwähnt: Dorfbewohner, Sue

Katy hatte nicht die leiseste Ahnung was Nayeli auf die Fragen der anderen im Dorf antwortete oder was sie erst fragten und damit fühlte sie sich verlorener dennje. Nur waren ihre Tränen für diesen Tag verbraucht und so blieb ihr nichts übrig als still dort zu bleiben wo sie war. Erst als einige junge Männer gingen - sie hatte keine Ahnung warum - sah sie kurz auf und folgte ihnen mit ihrem Blick. Schnell sah sie aber wieder zu Boden. Die besorgten und befremdeten Blicke der sich zurückziehenden Bewohner verletzen sie aus irgendeinem Grund. Sie wollte nicht, dass sich jemand Sorgen machte und sie würde es nie wieder zulassen.

Irgendwann drehte sie sich zu Nooka um und strich ihm über den Kopf. Der Kleine war schon süß. Es gab nicht viele, denen sie begegnet war und die so ein feines Gespür für andere hatten wie er. Als sie das geflochtene Armband sah führte sie die schnellste Bewegung aus, seitdem der Wolf aufgetaucht war. Mit einem schnellen Handgriff war das Armband wieder an seinem rechtmäßigen Platz um ihr linkes Handgelenk. "Sue", murmelte sie leise. Dann sah sie auf. "Danke" Ein Glück, dass man ihr vor kaum einer Stunde vielleicht - der Sonne nach zu urteilen - ebenfalls aufgetragen hatte, sich zu bedanken. Die Rothaarige nahm ihren Mut zusammen und sah Nayeli endlich in die Augen. Was sie da sah schockierte sie mehr, als alles was sie erwartet hatte. Da war kein Vorwurf, jedenfalls entdeckte sie jetzt gerade keinen oder sie bildete es sich nur ein, aber dann war das eine schöne Einbildung. "Nooka", wandte sie sich an ihren kleinen Bruder, "möchtest du nicht zu deinen Freunden?" Sie lächelte matt und deutete auf die drei Kinder, die in einiger Entfernung stehen geblieben waren und - wie es schien - irgendetwas erzählten. Obwohl ihr Zuhörer es wohl für Übertreibung hielt, also vermutete Katy es ginge um den Wolf.
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 5:08 am

Katy, Nayeli, Nooka, Dorfbewohner

Hatte sie doch richtig geahnt, dass dieser Armreif wichtig für Katy war. Auch Nayeli sah die Kinder, die sich die Abenteuergeschichte mit dem Wolf anhörten. Das war eine Geschichte, die bestimmt die nächsten Tage die Runde im Dorf machen und jedes Mal an Abenteuerlichkeit zunehmen würde. Sie selbst würde über kurz oder lang auch von den Kindern belagert werden und würde die Geschichte wohl selbst einige Male zum Besten geben müssen.

Auch Nooka sah zu den Kindern, als Katy auf diese zeigte, doch er schüttelte den Kopf und hielt sich mit beiden Händen an Katy fest. "Nein", antwortete er so störrisch, wie es nur ein 5jähriger konnte.

Nayeli strich Katy sanft über die zerzausten Haare und küsste sie auf die Stirn. Das Mädchen kam ihr trotz des Lächelns, oder vielleicht sogar gerade deshalb, so verloren vor, dass sie nicht anders konnte. "Komm, wir gehen nach Hause", sagte sie und zeigte auf die Hütte. "Dort kuckt niemand komisch." Nooka nickte eifrig zu den Worten seiner Mutter. "Ja, komm mit", bat er Katy und zog sie sacht an ihrer Hand in die entsprechende Richtung.
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 5:22 am

Nayeli, Nooka, Katy

Katy schüttelte innerlich mit dem Kopf. Wie konnte ein so kleiner Junge nur so unglaublich stur sein? Sie ließ sich einfach von Nooka mitziehen. Solange sie den Blicken der Dorfbewohner entkam war ihr alles egal. Hauptsache fort, hauptsache Ruhe. Sie senkte den Blick, während sie gingen, erst vor der Hütte sah sie wieder auf. Ein kleiner Teil ihrer Anspannung fiel von ihr ab, sodass sie sich wieder aufrichten konnte und nicht das Gefühl hatte, von einem Felsbrocken zu Boden gedrückt zu werden. Aber wie lange würde das anhalten?

"Du bist komisch", murmelte sie das gleiche, was Nooka vorhin noch zu ihr gesagt hatte. Wie konnte er nur so fröhlich und stur zugleich sein? Und wie konnte er sie so schnell dazu bringen, dass sie ihn mochte? Er würde zwar nie den Platz ihrer Schwester einnehmen können, aber er brachte sie immerhin dazu, nicht ununterbrochen an sie zu denken. Wenn auch unbewusst.

Da die Rothaarige keine Idee hatte, was sie machen sollte, um nicht ins Blickfeld der Dorfbewohner zu geraten, setze sie sich einfach im Schneidersitz auf den Boden und begann zum zweiten mal an diesem Tag ihre Haare zu flechten. Diesmal allerdings weiteraus aufwendiger, jetzt hatte sie schließlich die Zeit. Die vier geflochtenen Strähnen nach hinten gebunden nahm sie immer weitere, bis die obere Hälfte der haare geflochten war, darunter lagen die offen. Ihre Handgriffe wurden zögerlich, unbewusst hatte sie die Frisur nachgeflochten, die sie vor zwei Jahren auch getragen hatte. Nicht der Vergangenheit nachhängen
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 5:35 am

Katy, Nayeli, Nooka erwähnt wird: Rheean

Nooka ließ sich vor Katy nieder und beobachtete fasziniert, wie sie ihre Haare flocht. Er nahm eine Strähne seines Haares in die Hände, teilte es in drei doch recht ungleiche Teile und versuchte es ihr nachzutun. Aber irgendwie war das Ergebnis etwas völlig anderes als bei Katy. Nur irgendwelche Knoten, die keinen Sinn ergaben. Konzentriert zog der Junge eine Schnute und versuchte es noch einmal.

Lächelnd beobachtete Nayeli die beiden Kinder. So wie es aussah, hatte Nooka Katy schon längst als Teil der Familie angenommen. Das erleichterte sie enorm. Es hätte genausogut sein können, dass er sich gegen den unerwarteten Zuwachs gewehrt hätte.

Flink zog sich Nayeli das Kleid über den Kopf und goss ein wenig Wasser aus einem irdenen Krug in eine Schüssel. Mit einem nassen Lappen wusch sie sich den Rest Blut vom Körper. Bei der Gelegenheit besah sie sich die Kratzer auf ihren Schenkeln. Was Rheean dazu wohl sagen würde? Sorgfältig säuberte sie die Kratzer und suchte aus der Vielzahl der herumstehenden Töpfchen und Krügen die Heilsalbe heraus, die sie seit Nooka krabbeln konnte immer parat hatte. Die streng riechende Salbe trug sie sorgsam auf den Kratzern auf und zog sich dann ein sauberes Kleid über den Kopf.

Dann nahm sie ihren hölzernen Kamm und setzte sich neben Katy. Eigentlich hatte sie ihr den Kamm schon vorhin reichen wollen, doch das Mädchen war schneller gewesen. Mit flinken Händen löste Nayeli ihren Zopf und kämmte sich die zerzausten Haare, bevor sie den Zopf erneut flocht.
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 6:12 am

Nayeli, Nooka, Katy erwähnt: Rheean

Katy beobachtete Nooka, wie er versuchte sie nachzuahmen. Ein leises Lachen konnte sie sich nicht verkneifen. Ein Junge, der sich die Haare flocht, sie hatte vieles gesehen, aber soetwas ganz gewiss noch nicht. Nach kurzem überlegen stellte sie ihre Frisur fertig, indem sie auch die bisher offenen Haare zu einem Zopf zusammenflocht, diesmal allerdings mit vier Strähnen. "Drüber, drunter, drunter, drüber, drüber, drunter", murmelte sie konzentriert um nicht aus dem Takt zu kommen.

Aus dem Augenwinkel konnte sie Nayeli beobachten und erneut war das schlechte Gewissen wie ein Schlag ins Gesicht. Noch viel schlimmer war aber, dass ihr jetzt in den Sinn kam, wie wohl Rheean reagieren würde, wenn er von dem Vorfall erfuhr. Sie schätze ihn nicht als gewalttätig ein, aber Nayeli war seine Frau und Nooka sein Sohn. Und immerhin hatte sie letzteren mit ihrer unglaublich intelligenten Aktion auch in Gefahr gebracht. Ohne es verhindern zu können schlug sie sich selbst mit der flachen Hand ins Gesicht. Selbst für sie so überraschend, dass sie einen Moment Sternchen sah. Sie hatte bereits erlebt wie wütend Männer werdne konnten, wenn es um ihre Familie ging. Ihr Vater war das beste Beispiel gewesen. Eigentlich war er immer freundlich gewesen, bis jemand seine Frau bedrohte. Die Engländerin war kurz davor sich noch einmal eine Ohrfeige zu verpassen, aber nicht vor Nooka. Also rieb sie sich nur über die schmerzende Wange, auf der mittlerweile ein hellroter Abdruck sichtbar wurde. "Autsch", murrte sie halbherzig. Es gab schlimmere Schmerzen wie sie wusste.
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 11:44 am

Katy, Nayeli, Nooka erwähnt: Rheean

Nooka bekam große Augen, als er sah, wie sich Katy selbst schlug. Seine konzentrierten, aber erfolglosen Versuche, seine Haare zu flechten, waren vergessen. "Nicht!", rief er erschrocken und griff nach ihrer Hand.

Nayeli hatte dies nicht mitbekommen. Sie war durch den Gedanken an ihren Mann abgelenkt aufgestanden und hatte die Tür geöffnet. Allmählich kehrte Ruhe im Dorf ein. Sie hatte gegen die Dunkelheit bereits eine Kerze angezündet. Es wurde spät und sie fragte sich, wo Rheean blieb. Ob etwas passiert war? Immerhin hatte er in die Siedlung gehen wollen und Nayeli wusste sehr gut, wie Rheean zu Weißen im Allgemeinen stand. Ein bekannter Schatten, der das Dorf betrat, ließ sie erleichtert aufseufzen. Rheean kehrte heim.
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Rheean

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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 11:45 am

Katy, Nayeli, Nooka, Rheean

Es war bereits dunkel, als Rheean ins Dorf zurückkehrte. Das war ein langer Tag gewesen. Umso mehr freute er sich nun auf sein Heim, seine Frau und seine Kinder. Seltsam. Katy war noch nichteinmal einen ganzen Tag bei ihnen und doch dachte er bereits von ihr, als seine Tochter. War es nur, weil er Sayen so vermisste? Vielleicht.

Nayeli erwartete ihn an der Tür. Er drängte sie hinein und schob die Tür mit dem Fuß wieder zu, bevor er ihr einen liebevollen Kuss gab. Das war doch was viel besseres, als sich mit verrückten weißen Frauen zu schlagen.

"Papa!", quietschte Nooka und sprang auf. Überschwänglich rannte er auf seinen Vater zu und hüpfte an ihm hoch.

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Katy Whiterose

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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 11:56 am

Nayeli, Nooka, Rheean, Katy

Katy entzog Nooka ihre Hand mit Leichtigkeit, sah aber davon ab sich erneut zu ohrfeigen, der rote Abdruck war genug, einen zweiten bräuchte sie vorläufig nicht. Sie drehte lediglich den Kopf weg, um ihren kleinen Bruder nicht ansehen zu müssen. es war immer noch befremdlich Nooka nicht als Indianerjungen, sondern als ihren Bruder anzusehen und doch, sie war sich sicher, sie würde alles für ihn tun das in ihrer Macht stand. Wie damals für Sue.

Ihr Herz setzte schlichtweg aus, als Rheean wiederkam. Die Braunhaarige wurde einerseits blass vor Furcht und andererseits drückte sie die Hände fest auf den Boden. In ihrem Inneren tobte eine Mischung aus Angst, Schuldbewusstsein und Stolz. Ein Teil von ihr hätte gern aufgesehen, ein anderer hätte sich gern in einer Ecke versteckt. Doch sie tat nichts von dem, sie blieb nur still am Rand sitzen und murmelte ein leises "Meine Schuld." Eine Hand löste sie vom Boden und rieb sich noch einmal über die nun nicht nur schmerzende sondern auch unangenehm kribbelnde Wange, als liefen tausend Ameisen darüber - wie man es normalerweise nur spürt, wenn einem die Finger eingeschlafen sind.

Aus dem Augenwinkel wagte sie es, einen Blick auf die drei zu erhaschen, Nayeli, Nooka und Rheean. Was mache ich nur hier?
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Rheean

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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 12:55 pm

Katy, Nayeli, Nooka, Rheean

Lächelnd ließ Rheean von seiner Frau ab und beugte sich zu Nooka hinunter. Mit Leichtigkeit hob er den Jungen hoch und setzte ihn auf seiner Hüfte ab. "Na, mein großer Krieger, was hast du heute so alles erlebt?", fragte er und sofort plapperte Nooka ohne Punkt und Komma los. "Wir waren am Wasserfall und Ujarak wollte Katy ärgern, aber sie hat sich nicht ärgern lassen, sondern hat ihn untergetaucht und dann war da ein Wolf und Mama war ganz mutig und hat den Wolf tot gemacht!"

Alarmiert sah sich Rheean in der Hütte um und entdeckte Katy, die zusammengekauert auf der Erde saß. Er sah zu seiner Frau. "Was ist passiert? Bist du verletzt? Ist Katy verletzt?" Rheean hatte das Gefühl, sein Herz würde zusammengedrückt. Er hätte nicht zu Tuari gehen sollen. Er hätte hier bleiben und auf seine Familie acht geben müssen.

"Und was ist mit mir?", fragte Nooka empört und zog Rheean unsanft an den Haaren. Dieser zwang sich zu einem Lächeln. "Wer sollte es fertigbringen und ausgerechnet dich verletzen, großer Krieger?", fragte er scherzend und Nooka kicherte daraufhin.

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Nayeli

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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 12:56 pm

Katy, Nayeli, Nooka, Rheean

Nayeli schüttelte den Kopf. "Nichts schlimmes. Ich habe nur ein paar Kratzer abgekriegt, aber Katy..." Sie seufzte und sah zu ihrer Tochter. "Katy muss sich furchtbar erschreckt haben. Sie hat furchtbar geweint und ist seitdem völlig in sich gekehrt. Ich würde ihr gern helfen, doch ich weiß nicht wie, ich verstehe doch kaum ein Wort, das sie sagt."

Sie fühlte sich hilflos, dem kleinen Mädchen gegenüber. Erschöpft lehnte sie sich an Rheean. Der Kampf mit dem Wolf hatte sie doch sehr mitgenommen und danach noch die Sorgen um Katy. Jetzt erst bemerkte sie, wie sehr sie sich danach sehnte, dass ihr Mann sie umarmte und ihr sagte, dass sie alles richtig gemacht hatte. Nicht, weil sie daran zweifelte, sondern weil sie nicht mehr allein damit sein wollte.
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Katy Whiterose

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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 1:23 pm

Nayeli, Nooka, Rheean, Katy

Katy hielt sich die Ohren zu, während Nayeli, Rheean und Nooka sich unterhielten. Erst als sie sah, dass keiner mehr sprach nahm sie die Hände wieder weg. Schuldbewusst sah sie zu Nayeli, die nun doch erschöpft wirkte. Sie wusste, dass es ihre Schuld war, nicht nur die des Wolfes. Sie schluckte schwer, dann rappelte sie sich auf und machte einen zögerlichen Schritt vor, sodass sie nicht länger halb von den Schatten verborgen wurde. Die Engländerin wagte nicht, einem der drei in die Augen zu sehen und so fixierte sie den Boden, während sie zu sprechen begann.

"Es ist meine Schuld, dass Nayeli verletzt wurde", ihre Stimme zitterte leicht, doch umso länger sie sprach, desto schneller wurde sie und das Zittern wurde in den Hintergrund gedrängt, "wenn ich nicht aufgesprungen und weggelaufen wäre hätte ich den Jagdinstink nicht geweckt und der Wolf hätte Nayeli nicht als Bedrohung um seine Beute angesehen Und dann wäre sie nicht verletzt worden Und wenn ich den Mut gehabt hätte meine Schuld einzugestehen dann hätte sich niemand Sorgen machen müssen" Mittlerweile redete Katy ohne Punkt und Komma und ließ nur noch ein Wort ins andere fließen, ungeachtet dessen, dass Rheean sie vielleicht schon gar nicht mehr verstand. Schließlich war er kein Geburtssprachiger Engländer. "Wenn ich nie eingewilligt hätte hierzubleiben wäre das alles nicht passiert und alles wäre richtig und gut Es ist meine Schuld"

Schon wieder stiegen ihr die Tränen in die Augen. Sie drehte den Kopf leicht zur Seite - die ohnehin rote Wange Rheean zugewandt - und die Augen festgeschlossen, als erwarte sie eine Ohrfeige. Was sie auch eigentlich tat.
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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 1:42 pm

Katy, Nayeli, Nooka, Rheean

Rheean drückte Nayeli an sich und küsste sie noch einmal zärtlich. "Danke, dass du unsere Kinder beschützt hast", flüsterte er. Er war zutiefst erleichtert, dass nichts Ernsthaftes passiert war. Und er war stolz auf Nayeli, die sich einem Wolf entgegen gestellt hatte, um ihre Kinder zu beschützen.

Katy kam auf sie zu und Rheean ließ von seiner Frau ab. Je länger Katy sprach, desto schwerer fiel es ihm, die Worte auseinanderzuhalten. Allerdings kam ihm das Wort 'Schuld' viel zu oft vor. Katy glaubte doch nicht im Ernst, dass das ihre Schuld war. Kurzerhand übergab Rheean Nooka seiner Frau und kniete sich vor Katy, so dass er ihr ins Gesicht sehen konnte. "Das ist nicht deine Schuld, Katy", sagte er bestimmt.

Er legte ihr die Hand unters Kinn und zwang sie sacht, ihn anzusehen. Dabei fiel ihm ihre rote Wange auf. "Hat dich jemand geschlagen?", fragte er und zog unwillkürlich die Brauen zusammen. Er konnte sich nicht vorstellen, dass das Nayeli gewesen war, doch wer würde ein kleines Mädchen schlagen?

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Nayeli

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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 1:51 pm

Katy, Nayeli, Nooka, Rheean

Erleichtert erwiderte Nayeli den Kuss. Sofort fiel eine riesige Last von ihr. Auch sie sah zu Katy und hörte ihr zu, auch wenn sie kein Wort verstand. Als Rheean ihr Nooka gab, nahm sie den Jungen auf ihre Arme. Dieser gähnte inzwischen und rieb sich die Augen. Kein Wunder, bei dem, was er heute alles erlebt hatte.

Erschrocken bemerkte auch Nayeli die rote Wange. Wann war das denn passiert? War das Nookas Werk? Sie sah zu ihrem Sohn, doch das konnte sie sich nicht vorstellen. Nicht, nachdem sie die beiden Kinder miteinander gesehen hatte. Sie hatten sich doch so gut verstanden. Da sich Rheean Katy angenommen hatte, konzentrierte sich Nayeli auf Nooka und wiegte ihn in ihren Armen. Erfahrungsgemäß schlief er dabei recht schnell ein. Hin und wieder sah sie zu Rheean und Katy.
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Katy Whiterose

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BeitragThema: Re: 19. September 1783    Sa Jun 21, 2014 2:08 pm

Nayeli, Nooka, Rheean, Katy

Katy dämmerte dass sie zu schnell gesprochen hatte, als sie Rheean kurz ansah. Und erneut hätte sie sich gern geohrfeigt. Dass sie ihre Gedanken aber auch nicht beisammen halten konnte. Rheean meinte zwar, es sei nicht ihre Schuld, aber Katy war vom Gegenteil überzeugt. Und ließ sich auch nicht umstimmen. Stattdessen biss sie nur die Zähne zusammen, umso länger sie wartete, dass man sie schlug, desto unerträglicher wurde es und desto schmerzhafter würde es im Endeffekt sein.

Als sie spürte, wie ihr Kopf sacht, aber gezwungen, gedreht wurde blinzelte sie ängstlich. Auf die gestellte Frage hin hob sie vorsichtig eine Hand und zog den Kopf ein. "Ich war's", murmelte sie, jetzt wieder in normalem Tempo, "dann tut es nicht mehr so weh, wenn andere mich danach noch bestrafen." Sie erklärte das in solch einem sachlichen, ruhigen Ton, dass es erschreckend war. "Also schlag mich lieber, solange es sowieso noch weh tut", nuschelte sie nervös. Unruhig rückte sie ihr Oberteil zurecht, dass ihr schon wieder halb heruntergerutscht war und so schräg von einer Schulter zur anderen Taille hing.
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